Where nothing can be defined – Zu Problemen des Liberalismus

Angesichts der tiefgreifenden gesellschaftlichen Regression muss man sich fast angestrengt daran erinnern, dass der Liberalismus – als konkrete Institution der Gesellschaft wie als Ideologie – zu kritisieren ist. Im Vergleich zu rechtsnationalen Bewegungen, autokratischen Regimen und populistischen Chauvinisten auf dem Vormarsch mag der Nimbus der Stabilität, Weltoffenheit und der universalrechtlichen Versprechen des Liberalismus tatsächlich attraktiv […]

Eine große Regression

In der kritischen Gesellschaftstheorie galt lange Zeit das Postulat, Erkenntnis und Verblendung zu trennen. Das Denken musste Auskunft über seine Beziehung zur gesellschaftlichen Wirklichkeit geben können, andernfalls sei es nur unbewusstes organisches Abfallprodukt der gesellschaftlichen Verhältnisse, analytisch gesprochen Ideologie. Voraussetzung dieser Unterscheidung ist allerdings ein Begriff des gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs und genau deshalb spricht man in […]

Ontologischer Terror

Am 13. Januar 2017 nahm sich Mark Fisher das Leben. In der fortgeführten Reihe der bedeutenden sterbenden Persönlichkeiten nimmt sein Selbstmord eine gewisse tragische Sonderposition ein. Fisher litt Zeit seines bewussten Lebens an Depressionen und hatte sich in einer außerordentlichen Weigerungsgeste dagegen gewandt: Er schrieb gegen eine Individualisierung des gesellschaftlichen Elends an, gegen eine Kultur, […]

Wissenschaftliche Mythenbildung

In der kritischen Gesellschaftstheorie gab es lange Zeit einen Allgemeinplatz betreffend der entscheidenden Trennung zwischen Erkenntnis und Verblendung: Dasjenige Denken, welches nur ein unbewusstes organisches Abfallprodukt der gesellschaftlichen Verhältnisse ist, bleibt der Bestätigung des Bestehenden verhaftet. Nicht in aktiver Affirmation, sondern in der Verschleierung der Wirklichkeit. Es ist Mystizismus. Die Marxschen Feuerbachthesen merkten dazu an, […]

Aufklärung in postfaktischen Zeiten

Die medialen Kommentare derzeit scheinen sich einig im Bekenntnis, wir lebten in postfaktischen Zeiten: Fake-News, der Triumph der Affekte über die Fakten, Hetze und Verleumdungen im Netz. Von Donald Trumps Wahlkampf bis zu falschen Zitaten Renate Künasts lassen sich deutliche Symptome dessen ausmachen. Der österreichische Bundespräsidentschaftswahlkampf brachte ein besonders drastisches Schlaglicht in diesem Zusammenhang hervor. […]

Rückkehr und Fortschritt. Didier Eribon und der Zustand der Linken

Als ich jüngst mit linken Freunden und Bekannten ins Gespräch über die Wahl Donald Trumps kam, wurde mir schlagartig klar, in welch desolater Situation wir uns befinden. Unabhängig voneinander äußerte sich bei vielen der letzte Schluss, es helfe wohl nur noch ein Attentat. Nun hatte man sich also der Regression schlussendlich anverwandelt, die man zuvor […]