Souveräne Ohnmacht

Überlegungen zu Macht- und Bewusstlosigkeit gegenüber den Verhältnissen „Gerade im Eifer des Änderungswillen [wird] allzu leicht verdrängt […], daß Versuche, in irgendeinem partikularen Bereich unsere Welt wirklich eingreifend zu ändern, sofort der überwältigenden Kraft des Bestehenden ausgesetzt sind und zur Ohnmacht verurteilt erscheinen. Wer ändern will, kann es wahrscheinlich überhaupt nur, indem er diese Ohnmacht…Continue reading Souveräne Ohnmacht

Kritik zeitgenössischer Marxlesarten

  An Wenigen wird vorbeigegangen sein, dass man dieses Jahr den 200. Geburtstag von Karl Marx feiern lässt. Natürlich nicht in der Größenordnung eines staatstragenden Luther-Jahrs, aber doch mit beeindruckender Breitenwirkung. Denn nicht nur die radikale Linke hält ihren ewigen Stichwortgeber hoch, sondern auch die bürgerliche Mitte hat spätestens seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise…Continue reading Kritik zeitgenössischer Marxlesarten

Where nothing can be defined – Zu Problemen des Liberalismus

Angesichts der tiefgreifenden gesellschaftlichen Regression muss man sich fast angestrengt daran erinnern, dass der Liberalismus – als konkrete Institution der Gesellschaft wie als Ideologie – zu kritisieren ist. Im Vergleich zu rechtsnationalen Bewegungen, autokratischen Regimen und populistischen Chauvinisten auf dem Vormarsch mag der Nimbus der Stabilität, Weltoffenheit und der universalrechtlichen Versprechen des Liberalismus tatsächlich attraktiv…Continue reading Where nothing can be defined – Zu Problemen des Liberalismus

Eine große Regression

In der kritischen Gesellschaftstheorie galt lange Zeit das Postulat, Erkenntnis und Verblendung zu trennen. Das Denken musste Auskunft über seine Beziehung zur gesellschaftlichen Wirklichkeit geben können, andernfalls sei es nur unbewusstes organisches Abfallprodukt der gesellschaftlichen Verhältnisse, analytisch gesprochen Ideologie. Voraussetzung dieser Unterscheidung ist allerdings ein Begriff des gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs und genau deshalb spricht man in…Continue reading Eine große Regression

Ontologischer Terror

Am 13. Januar 2017 nahm sich Mark Fisher das Leben. In der fortgeführten Reihe der bedeutenden sterbenden Persönlichkeiten nimmt sein Selbstmord eine gewisse tragische Sonderposition ein. Fisher litt Zeit seines bewussten Lebens an Depressionen und hatte sich in einer außerordentlichen Weigerungsgeste dagegen gewandt: Er schrieb gegen eine Individualisierung des gesellschaftlichen Elends an, gegen eine Kultur,…Continue reading Ontologischer Terror

Wissenschaftliche Mythenbildung

In der kritischen Gesellschaftstheorie gab es lange Zeit einen Allgemeinplatz betreffend der entscheidenden Trennung zwischen Erkenntnis und Verblendung: Dasjenige Denken, welches nur ein unbewusstes organisches Abfallprodukt der gesellschaftlichen Verhältnisse ist, bleibt der Bestätigung des Bestehenden verhaftet. Nicht in aktiver Affirmation, sondern in der Verschleierung der Wirklichkeit. Es ist Mystizismus. Die Marxschen Feuerbachthesen merkten dazu an,…Continue reading Wissenschaftliche Mythenbildung

Aufklärung in postfaktischen Zeiten

Die medialen Kommentare derzeit scheinen sich einig im Bekenntnis, wir lebten in postfaktischen Zeiten: Fake-News, der Triumph der Affekte über die Fakten, Hetze und Verleumdungen im Netz. Von Donald Trumps Wahlkampf bis zu falschen Zitaten Renate Künasts lassen sich deutliche Symptome dessen ausmachen. Der österreichische Bundespräsidentschaftswahlkampf brachte ein besonders drastisches Schlaglicht in diesem Zusammenhang hervor.…Continue reading Aufklärung in postfaktischen Zeiten

Rückkehr und Fortschritt. Didier Eribon und der Zustand der Linken

Als ich jüngst mit linken Freunden und Bekannten ins Gespräch über die Wahl Donald Trumps kam, wurde mir schlagartig klar, in welch desolater Situation wir uns befinden. Unabhängig voneinander äußerte sich bei vielen der letzte Schluss, es helfe wohl nur noch ein Attentat. Nun hatte man sich also der Regression schlussendlich anverwandelt, die man zuvor…Continue reading Rückkehr und Fortschritt. Didier Eribon und der Zustand der Linken